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Olympia – Ein schmaler Grat zwischen Traum und Wirklichkeit

Nadja KätherBei den Olympischen Spielen in Rio haben nun auch die Wettbewerbe in der Leichtathletik begonnen, und es wurden die ersten Medaillen vergeben. Nach dem sechsten Platz von Christina Schwanitz (der Weltmeisterin von 2015) im Kugelstoßen sprachen viele von einer großen Enttäuschung, die Goldmedaille von Diskuswerfer Christoph Harting wurde als große Überraschung gefeiert. An diesem Beispiel zeigt sich, wie schmal der Grat zwischen Traum und Wirklichkeit im Sport ist. Das gilt auch für unsere Hamburger Olympia-Kandidaten.

Arne Gabius vom Lauf Team Haspa Marathon Hamburg hatte sich schon früh für Rio qualifiziert und wurde vom DOSB auch in die Olympiamannschaft berufen. Nach Beschwerden bei der EM in Amsterdam hatte der Hamburger gehofft, dass er seine Verletzungsprobleme in den Griff bekommen würde. Doch Ende Juli musste Gabius seinen Olympiatraum begraben. „Der Traum meines ersten olympischen Marathons ist in dieser Woche leider geplatzt“, sagte Gabius damals. „Ich bin traurig und enttäuscht, in Rio nicht an den Start gehen zu können.“

Alles gegeben hatte auch Jana Sussmann, ebenfalls für das Lauf Team Haspa Marathon Hamburg am Start. Die Spezialistin über 3000m Hindernis war eine von drei Läuferinnen, die mit erfüllter Olympianorm bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel ins Rennen ging. Obwohl sie hinter Sanaa Koubaa (Bayer Leverkusen), die noch keine Norm für Rio hatte, Vierte wurde, startete Sussmann bei der EM in Amsterdam. Hier verpasste sie das Finale und musste am Ende auch noch akzeptieren, dass sich Koubaa bei einem starken Rennen in Belgien mit der letzten Möglichkeit die Norm und damit die Teilnahme bei Olympia gesichert hatte.

Nadja Käther vom Hamburger Sportverein gehört schon seit Jahren zu den besten Weitspringerinnen in Deutschland und konnte bereits zahlreiche internationale Erfahrungen sammeln. Bei der DM in Kassel flog die 27-Jährige in einem schwierigen Wettkampf nur um einen Zentimeter an der Bronzemedaille vorbei. Danach setze sie alle Hoffnungen auf einen Start bei den Olympischen Spielen in Richtung EM in Amsterdam. In einer spannenden Qualifikation, in der die Athletinnen ganz dicht zusammen lagen, konnte sich Nadja Käther souverän für das Finale qualifizieren. Auch hier ging es sehr eng zu und am Ende verpasste Käther den Sprung unter die besten acht lediglich um ganze drei Zentimeter. Als Neunte der diesjährigen EM hat die sympathische Hamburgerin zwar die Teilnahme bei Olympia in Rio verpasst, konnte aber mit der Leistung sehr zufrieden sein. „Es ist schade, dass Nadja das EM-Finale so knapp verpasst hat“, resümierte Uwe Florczak (Heim- und DLV-Leitender Bundestrainer Sprung). „Ich bin überzeugt, dass sie in Amsterdam um eine Medaille hätte mitspringen und die Norm für Rio (6,70 Meter, Anmerkung der Redaktion) erreichen können.“

Auch wenn unsere diesjährigen Aushängeschilder nicht bei den Olympischen Spielen in Rio dabei sein, können sie mit ihren Leistungen sehr zufrieden sein. Vor allem mit Blick auf die aktuelle Situation zum Thema Chancengleichheit im Dopingkampf sollten die drei frohen Mutes mit Blick auf die WM 2017 in London und die Heim-EM 2018 in Berlin hinarbeiten. Der Hamburger Leichtathletik-Verband wünscht dabei den größtmöglichen Erfolg!

 

Klaus Jakobs